Individuelles Risiko der Patienten

Ob und wann bei einer Chemotherapie Erbrechen auftritt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig.

Art der Chemotherapie

Individuelles Risiko der Patienten
Den wichtigsten Einfluss haben die Medikamente (Zytostatika), die für die Chemotherapie verwendet werden. Für jede Tumorerkrankung gibt es spezielle Medikamente, die besonders gut wirksam sind und die häufig auch miteinander kombiniert werden. Zytostatika führen in ganz unterschiedlichem Ausmaß zu Erbrechen. Es gibt Medikamente, die fast immer zu Übelkeit und Erbrechen führen, wie z. B. Dacarbazin und Cisplatin, und andere, bei denen diese Nebenwirkung in der Regel gar nicht auftritt. In der untenstehenden Tabelle werden häufig verwendete Zytostatika aufgelistet, je nachdem, wie stark sie ohne antiemetische Vorbeugung zu Übelkeit und Erbrechen führen würden. Bei einer Kombinationschemotherapie mit mehreren Substanzen verstärkt sich das Emesis-Risiko.

Emetogenes Potential gebräuchlicher intravenös verabreichter Zytostatika (Auswahl)

Emetogenes Potential gebräuchlicher intravenös verabreichter Zytostatika (Auswahl)

Dosierung der Medikamente und Form der Anwendung

Übelkeit und Erbrechen sind auch davon abhängig, ob die Chemotherapie aus einem Medikament besteht oder aus mehreren, und auch davon, in welcher Dosierung die einzelnen Medikamente gegeben werden. Einen Einfluss kann auch die Häufigkeit der Gabe der Chemotherapie besitzen oder die Anwendung als Infusion oder Tablette.

Individuelles Risiko des Patienten

Neben der Art der Chemotherapie und ihrer Dosierung bestimmen auch andere Faktoren, ob und wie stark Übelkeit und Erbrechen auftreten. So haben manche Menschen ein höheres Risiko mit Übelkeit und Erbrechen auf eine Chemotherapie zu reagieren als andere. Eher gefährdet sind jüngere Menschen (unter 50 Jahren), Frauen sowie Patienten, die schon bei einer früheren Chemotherapie mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen hatten. Kinder haben ein besonders hohes Erbrechensrisiko.
Außerdem beeinflusst die persönliche Veranlagung, wie die generelle Neigung zu Übelkeit, eine Anfälligkeit für die Reisekrankheit oder frühere intensive Schwangerschaftsübelkeit, die Reaktion auf die Chemotherapie.
Wichtig ist auch Ihre innere Einstellung zur Chemotherapie. So können eine innere Abwehrhaltung, fehlendes Vertrauen in die Ärzte, Nervosität und Angst zur Entstehung von Übelkeit beitragen. Sicher kennt jeder den Satz, dass "es einem vor Angst schlecht wird".
Ohne die heutigen Möglichkeiten der Behandlung wären Übelkeit und Erbrechen immer noch eine unangenehme Begleiterscheinung bei der Chemotherapie. Heute gibt es jedoch sehr gute Medikamente gegen diese Nebenwirkungen. Ihre Ärzte kennen das Emesis-Risiko der einzelnen Chemotherapien und stimmen vorbeugende Maßnahmen zur Verhütung von Übelkeit und Erbrechen in der Regel individuell auf Ihr persönliches Risikoprofil ab.

Zeitpunkt des Auftretens

Verlauf und Zeitpunkt des Auftretens
(Modifiziert nach Tavorath R, Hesketz PJ Drugs 1996;52:639-648. © 1996. Mit freundlicher Genehmigung durch die Adis International Limited.)
Je nach Zytostatikum beginnt das Erbrechen zu unterschiedlichem Zeitpunkt und hat ein bestimmtes Verlaufsmuster.
Beispielhaft ist hier die Ausprägung und der Zeitverlauf des Erbrechens nach Cisplatintherapie ohne antiemetische Prophylaxe dargestellt.
Bei anderen Zytostatika wie z. B. Cyclophosphamid, beginnt das Erbrechen erst nach mehreren Stunden, kommt nicht so häufig vor und hält dafür länger an.